
Wakkerpreis

Turgi und die Stadt Baden wurden vom Schweizer Heimatschutz mit dem Wakkerpreis ausgezeichnet.
Der Schweizer Heimatschutz hat die Stadt Baden und die ehemalige Gemeinde Turgi, welche seit 2024 ein Stadtteil von Baden ist, für ihre herausragenden Leistungen in der Orts- und Freiraumentwicklung mit dem renommierten Wakkerpreis gewürdigt. Diese Anerkennung ehrt ihre nachhaltigen Projekte zur Aufwertung des öffentlichen Raums und zur Stärkung ihrer regionalen Identität.
Wakkerpreis 2020 – Stadt Baden: Freiräume für mehr Lebensqualität
Die Stadt Baden erhielt den Wakkerpreis 2020 für die nachhaltige Aufwertung und die qualitätsvolle Gestaltung des öffentlichen Raums. Mit klugen Investitionen wurde die Innenstadt vom Verkehr befreit, historische Plätze und Parkanlagen wurden aufgewertet. In Entwicklungsgebieten entstanden neue öffentliche Freiräume mit hoher Aufenthaltsqualität. Damit gibt die Stadt den Menschen, die in Baden wohnen, arbeiten und ihre Freizeit verbringen, ein wichtiges Stück Lebensraum zurück.

Weitere Informationen:
Medienmitteilung_Heimatschutz [pdf, 601 KB]
Publikation Wakkerpreis_2020 [pdf, 2.6 MB]
Flyer Wakkerpreis_2020 DE [pdf, 794 KB]
Flyer Wakkerpreis_2020 FR [pdf, 768 KB]
Freiräume entdecken:
1. Schulhausplatz und Cordulapassage - Von der Verkehrsachse zum urbanen Treffpunkt
Der Schulhausplatz gehört mit täglich rund 50'000 Fahrzeugen zu den meistbefahrenen Kreuzungen der Schweiz. Früher kreuzten sich hier alle Verkehrsmittel auf engstem Raum. Bis Anfang der 1960er-Jahre wurden sämtliche Züge von Zürich nach Bern und Basel über die Kreuzung geführt. Dies führte regelmässig zu langen Staus und brachte der Kreuzung den Übernamen «Piazza Insalata» ein.
Zwischen 2015 und 2018 wurde der Schulhausplatz saniert. Durch eine clevere Entflechtung der Verkehrsträger wurde er in einen einladenden Begegnungsort verwandelt. Die neue Cordulapassage verbindet angrenzende Quartiere und schafft mit Sitzgelegenheiten, Geschäften und einer offenen Bühne Raum für Begegnung und Kultur. Der darüber rollende Verkehr ist dabei fast vergessen. Neben der attraktiven Fussgänger- und Velopassage sorgt auch ein neuer Bustunnel für die weitere Trennung der verschiedenen Verkehrsmittel.
Der Schweizer Heimatschutz würdigt die Neugestaltung als «starkes Stück Stadtreparatur» und lobt die bemerkenswerte Aufwertung der Kreuzung.
Strassenverkehr auf der Falken/Schulhausplatz Kreuzung 1960/1961, © Werner Nefflen, Historisches Museum Baden
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2. Weite Gasse - Die pulsierende Flaniermeile der Altstadt
Von einer früheren Hauptverkehrsachse zwischen Zürich, Bern und Basel wandelte sich die Weite Gasse zur belebten Einkaufs- und Flanierzone. 2013 wurde die Weite Gasse neugestaltet und mit einer Pflästerung aus Obwaldner Guberstein versehen. Die Neupflästerung sowie die Aufwertung der historischen Bausubstanz verleihen der Strasse neuen Glanz. Besonders samstags, wenn der grösste Wochenmarkt der Region stattfindet, wird die Bedeutung dieses urbanen Freiraums für die Bewohner und Gäste sichtbar.
Der Schweizer Heimatschutz würdigt die Weite Gasse als Paradebeispiel dafür, wie die «autogerechte Stadt» den Menschen zurückgegeben wurde.
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3. Schlossbergplatz - Dreh- und Angelpunkt zwischen Altstadt und Moderne
Am Fusse der historischen Ruine Stein verbindet der Schlossbergplatz die Altstadt mit der modernen Innenstadt. Seine offene Gestaltung mit Cafés, Restaurants und Sitzbereichen, flankiert vom Stadtturm, macht ihn zu einem beliebten Aufenthaltsort. Regelmässig finden hier Märkte und kulturelle Veranstaltungen statt.
Der heute einladende Schlossbergplatz war bis zu Beginn des Jahrtausends eine triste und lärmgeplagte Betonwüste. Von der Stadtturmstrasse herkommend führte eine enge Kurve – im Volksmund «Blinddarm» genannt – unter den Geleisen hindurch auf den Platz. 2003 lancierte die Stadt Baden einen Wettbewerb zur Aufwertung des Platzes, der 2009 abgeschlossen wurde. Die Umgestaltung zur verkehrsfreien Zone machte ihn zu einem Vorzeigeprojekt für nachhaltige Stadtentwicklung.
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4. Theaterplatz - Vom Parkplatz zur Sonnenterrasse
Der Platz erlebte in den vergangenen Jahrhunderten verschiedene Nutzungen und viele Umgestaltungen. 1675 wurde das Schützenhaus erbaut, das im unteren Geschoss einen grossen Theaterraum beherbergte – das erste Theater der Schweiz. Geschossen wurde auf Zielscheiben am Schartenfels. Nach einem Brand 1832 zogen die Schützen aus, und ein Theatergebäude, das Stadttheater, wurde errichtet. 1929 folgte der Abriss dieses Gebäudes, das schliesslich durch das heutige Kurtheater ersetzt wurde. Mit dem aufkommenden Verkehr wurde der Theaterplatz zu einem Parkplatz umgestaltet, diente jedoch zusätzlich auch als Marktstandort.
2007 wurden die Parkplätze in den Untergrund verlegt. Wo früher Autos parkierten, geniessen die Menschen heute die Ruhe und die Aussicht über die Limmat zur Lägern.
Der Schweizer Heimatschutz würdigt den Wandel des Theaterplatzes zu einem attraktiven Freiraum an bester Lage. Er ist ein Zeuge für die Kanalisierung des innerstädtischen Verkehrs zugunsten hochwertiger Plätze für die Bevölkerung und Gäste.
Markt auf dem Theaterplatz 1971, © Historisches Museum Baden

5. Trafoplatz - Die grüne Oase im ehemaligen Industriequartier
Ausserhalb der Innenstadt verfügt Baden über ein zweites «Zentrum», das mit seinen imposanten Industriebauten die Geschichte der Industrialisierung in Baden widerspiegelt. Das Werkareal der ehemaligen Brown, Boveri & Cie. (BBC) gehört wie die Altstadt untrennbar zur Badener Identität.
Der Trafoplatz im Stadtteil Baden Nord kombiniert Industriegeschichte mit moderner Freiraumgestaltung. 1950 entstand das riesige Hochspannungslabor, das an den Trafoplatz angrenzt und seit 2002 ein Kino und Kongresszentrum beherbergt. Wenig später folgten ein Hotel und eine grosse Eventhalle.
2003 wurde der Platz fertiggestellt. Von seiner bewegten Geschichte finden sich heute kaum mehr Spuren. Der moderne Platz und das darunterliegende Parkhaus verdeutlichen, wie dichte Bauweise und wertvolle Freiräume in der Limmatstadt harmonieren. Die offene Gestaltung und der hohe Grünanteil machen ihn zu einem beliebten Treffpunkt und Veranstaltungsraum. Er dient als grünes Quartierzentrum und ist ein Musterbeispiel für die Transformation urbaner Industrieareale.
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Wakkerpreis Turgi
Der Wakkerpreis 2002 wurde der Gemeinde Turgi verliehen
Mit Turgi zeichnet der Schweizer Heimatschutz eine kleine Gemeinde im schweizerischen Agglomerationsraum aus, die es geschafft hat, aus der baulichen Anonymität hervorzutreten. Trotz bescheidener Mittel nimmt Turgi seine Eigenverantwortung wahr und beweist, dass sich auch eine kleine Agglomerationsgemeinde erfolgreich für eine qualitative Weiterentwicklung des Ortsbildes einsetzen kann.
Per 1. Januar 2024 hat die Gemeinde Turgi mit der Stadt Baden fusioniert und ist nun ein offizieller Stadtteil von Baden.
Entdecken Sie die Turgi auf einem Spaziergang [pdf, 233 KB] und sehen Sie die kulturhistorischen Objekte [pdf, 410 KB] welche den Wakkerpreis und Turgi ausmachen.

Über den Wakkerpreis
Der Schweizer Heimatschutz vergibt jährlich einer politischen Gemeinde den Wakkerpreis.
Der Wakkerpreis zeichnet Gemeinden aus, die in der Ortsbild- und Siedlungsentwicklung besondere Leistungen vorweisen können. Dazu gehören insbesondere die Förderung gestalterischer Qualität bei Neubauten, ein respektvoller Umgang mit der historischen Bausubstanz sowie eine vorbildliche Ortsplanung, die Rücksicht auf die Anliegen der Umwelt nimmt.



