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Raumentwicklungskonzept REK Stadt Baden

Die Auswertungen liegen vor.

Im Rahmen des Projekts Raumentwicklungskonzept REK Stadt Baden fanden im März und April 2018 eine breit angelegte Bevölkerungsbefragung sowie speziell ausgelegte Befragungen verschiedener Interessengruppen statt. Am 6. Juni wurde an einer öffentlichen Veranstaltung im Werkk über die ersten Ergebnisse der Befragungen informiert. Nun liegen die detaillierten Auswertungsberichte vor.

Die Bevölkerungsbefragung richtete sich an die Wohn­bevölkerung der Stadt Baden, aber auch an Personen, die in Baden arbeiten oder hier ihre Freizeit verbringen. Damit sollten Erkenntnisse über die Erwartungen der Bevölkerung an die Stadt- und Quartierentwicklung im Allgemeinen sowie über das Freizeit- und Einkaufsverhal­ten, das Mobilitätsverhalten sowie das Wohn- und Arbeitsumfeld gewonnen werden.

Alle Auswertungsberichte, Bevölkerung insgesamt, Jugendliche, Detailhandel, Grundeigentü­mer Vorstadt, Workshop öffentlicher Raum, Arbeitsgruppe Impuls 60+, sind auf der Internet­seite der Stadt Baden publiziert.

Der Entwurf des Raumentwicklungskonzepts wird bis Ende Jahr fertiggestellt. Die Erkenntnisse aus den Befragungen werden in die fachliche Bearbeitung des REK einbezogen. Ausgehend von den definierten Handlungsebenen wird der Fokus der Stadtentwicklung in den nächsten Jahren bei den vier verorteten Transformationsgebieten Badstrasse/Bahnhof West, Vorstadt, Gewerbezone Dättwil und Zentrumsgebiet Kappelerhof liegen. Für die Transformationsgebiete soll eine übergeordnete, parzellenübergreifende Entwicklungsvorstellung erarbeitet werden. Vorbehältlich der Budgetgenehmigung durch den Einwohnerrat Ende Oktober 2018 ist nächs­tes Jahr eine freiwillige Vernehmlassung für die Bevölkerung zum Entwurf des Raumentwick­lungskonzepts vorgesehen.

Zu den detaillierten Auswertungsberichten: Auswertungen REK

Zusammenfassung Ergebnis Bevölkerungsbefragung

Profil der Stadt, Identifikation und Zugehörigkeitsgefühl

Die wichtigsten Alleinstellungsmerkmale der Stadt Baden sind das Kulturangebot, die ange­nehme Grösse der Kleinstadt, die Altstadt, der Umgang mit der Geschichte (v.a. mit der In­dustrie) sowie die Weltoffenheit und Progressivität der Stadtbevölkerung. Die Einwohner und Einwohne­rinnen sind offen dafür, dass Schritte in die Zukunft gemacht werden und die Stadt nicht auf Be­währtem sitzen bleibt. Sie identifizieren sich sehr stark mit der Stadt. Weniger stark ist die Bin­dung an das Wohnquartier. Für den sozialen Zusammenhalt ist deshalb die Stärkung der städti­schen Angebote und des Zentrums als gemeinsamer Nenner der Badener und der regionalen Bevölkerung zentral. Dass die Befragten mit Migrationshintergrund sich der Stadt weniger zuge­hörig fühlen als Schweizer, ist gemäss einer nationalen Studie normal. Das Natio­nal Center of Competence in Research nccr präsentierte erste Ergebnisse aus dem "Migration-Mobility Sur­vey" (Quelle: nccr-onethemove.ch). Verglichen mit dieser Studie liegt das Zugehö­rigkeitsgefühl zur Stadt Baden deutlich über dem Zugehörigkeitsgefühl von Migranten zur Schweiz.

Quartiere

Die Wohnquartiere der Stadt Baden leben von der Nähe zur Natur, der Durchgrünung, guter An­bindung und gleichzeitig der Distanz zur Innenstadt. Der Martinsberg, Kappelerhof und Meierhof zeichnen sich durch besonderen sozialen Zusammenhalt aus (nette, internationale, kulturell ge­mischte Einwohnerschaft). Rütihof lebt vom Dörflichen, und Dättwil ist geprägt von der dörflichen Vergangenheit. Eine starke Belebung wird vor allem in der Innenstadt als Cha­raktereigenschaft hervorgehoben. Die Verfügbarkeit von Orten, an denen man sich trifft, variiert je nach Quartier und wird auch als unterschiedlich wichtig eingeschätzt. Am ehesten Nachhol­bedarf hat Dättwil, wo solche Treffpunkte erwünscht, aber wenig vorhanden sind. Gesamthaft betrachtet ist es nicht zielführend, alle Quartiere aktiv zu "beleben", sondern für jedes Quartier die passende Art von Treffpunkten zu finden. Insgesamt sind die Einwohner und Einwohnerin­nen sehr zufrieden mit dem Wohnumfeld. Im Kappelerhof, Meierhof und Limmat rechts werden mehr Quartierangebote gewünscht und in Dättwil ein Dorfzentrum vermisst, was mit den vorhin genannten Erkenntnis­sen korrespondiert. In der Innenstadt stehen Lärmfragen im Vordergrund und in der Allmend bessere Busverbindungen.

Die Veränderungsbereitschaft der Bevölkerung ist erstaunlich hoch. Die Entwicklungen in Baden werden von der Hälfte der Befragten grundsätzlich mit Offenheit getragen. Für die an­dere Hälfte ist die Qualität der Entwicklung wichtig, damit sie akzeptiert wird. Dazu zählt, dass zu den Quar­tieren passende bauliche Typologien gewählt werden, etwa zur Gewährleistung der Durchlässig­keit oder der Vielfalt an Wohntypologien, die in verschiedenen Quartieren als Charaktereigen­schaften im Vordergrund stehen. Aus Sicht der Einwohnerinnen und Einwohner muss in den Quartieren Dättwil und Rütihof, Allmend, Martinsberg und Innenstadt behutsamer mit der bauli­chen Entwicklung vorgegangen werden.

Wohnungsmarkt

Der Wohnungsmarkt in Baden ist in Bewegung. Auf der Suche sind nicht nur Personen, die nach Baden ziehen möchten, sondern auch Einwohner und Einwohnerinnen von Baden, die ihre Wohnsituation verändern möchten. Darunter sind viele junge Menschen unter 35 Jahren. Baden war für viele Personen aus der Region eine Option als Wohnstandort. Auch ein grosser Teil der Pendler und Pendlerinnen hat einmal über einen Zuzug nachgedacht, denn Baden bie­tet ein einmaliges urbanes Wohnumfeld, das beim Zuzug in die Region als Option erwogen wird.

Insgesamt wird in Baden nach vielen unterschiedlichen Wohnformen gesucht, von der Miete über Eigentum bis zu genossenschaftlichem Wohnungsbau. Dabei werden je nach Lebens­phase Schwerpunkte erkennbar. So hat die Wohnungssuche auch Personen im Pensionsalter erreicht. Jede zehnte Person beschäftigt sich aktiv mit Umzugsgedanken. In dieser Alters­gruppe ist das Stockwerkeigentum eine sehr nachgefragte Wohnform. Das Wohnungsangebot wird so­wohl von den erfolgreichen als auch den erfolglosen Suchern als teuer und knapp ein­geschätzt, vor allem an den innerstädtischen Lagen.

Arbeitsplatzstandort

Die Zufriedenheit mit dem städtischen Arbeitsumfeld ist bei den befragten Arbeitstätigen in Baden sehr gross. Vermisst wird am ehesten ein breiteres gastronomisches Angebot. Pendler und Pendlerinnen suchen nach Aufenthaltsmöglichkeiten und grünen Ruhebereichen im öffent­lichen Raum für die Mittagszeit. Für Arbeitstätige in der Innenstadt sind auch Parkplätze und eine gute Anbindung mit dem Auto ein Thema. Arbeitstätige, die auch in Baden wohnen, ver­missen eher Orte, an denen sie nach dem Feierabend Zeit verbringen können. Zu einem moder­nen Arbeitsplatzangebot zählen also Aufenthalts- und Austauschmöglichkeiten zur Mit­tags- und Feierabendzeit, gute Erreichbarkeit, auch mit dem Auto, sowie ein breites gastrono­misches An­gebot.

Einkaufen und Freizeit

Das gesamte Einkaufs- und Freizeitverhalten der Einwohner und Einwohnerinnen ist stark auf die Innenstadt ausgerichtet. Dies erklärt die hohe Identifikation der Bevölkerung mit der gesam­ten Stadt. Man trifft sich beim Einkaufen, beim Flanieren in der Altstadt, im Kurpark, an der Lim­mat, in einem der vielen Cafés oder bei Kulturangeboten. So werden selbst Angebote für den täglichen Bedarf ausserhalb der Innenstadt meist nur in zweiter Priorität im eigenen Quar­tier aufgesucht. Hier haben also nur Konzepte mit kleinen Flächen oder Anbieter mit viel Herz­blut, wie das Chrättli in der Allmend, eine Chance zu überleben und eine Treffpunktfunktion zu über­nehmen.

Als Ort für periodische Einkäufe übernimmt Baden unbestritten eine regionale Versorgungs­funk­tion. Der Standort steht allerdings in Konkurrenz mit dem Markthof in Nussbaumen, Sprei­ten­bach, Zürich und dem Internet.

Was das Abend-, Kultur- und Nachtleben betrifft, ist Baden sehr eigenständig. Konkurrenz be­fin­det sich zwar in Zürich, allerdings nur in zweiter Priorität. Unter den beliebten Freiräumen zeich­nen sich zwei Typen ab: solche, an denen der Aufenthalt im Vordergrund steht und sol­che, in denen sich die Einwohner und Einwohnerinnen gerne bewegen. Bewegungsräume sind häufig die Erholungsgebiete in Wohnungsnähe, wobei die Baldegg eine wichtige verbindende Funktion zwischen den umliegenden Quartieren übernimmt, wie auch die Limmat, die für die Innenstädter eine grosse Bedeutung hat. Einige Aufenthaltsorte werden von überall her aufge­sucht. Dazu zählen die Altstadt und der Kurpark als urbane Freiräume. Andere Anlagen wer­den dezentral aufgesucht wie etwa der Friedhofspark, die Villa Boveri oder der Park des Regio­nalen Pflege­zentrums. In Baden findet keine übermässige Belastung weniger Orte statt. Die Freizeitbevöl­kerung verteilt sich auf eine Vielzahl von Orten.

Mobilität

Die Einwohner und Einwohnerinnen Badens sind häufig zu Fuss oder mit dem Velo unterwegs. Von den zentrumsnahen Quartieren sticht lediglich der Kappelerhof hervor, von wo aus die Leute trotz kurzer Wege nur gelegentlich zu Fuss oder mit dem Velo ins Zentrum gehen. Eine strukturelle Verbesserung der Situation könnte hier die grösste Verhaltensveränderung bewir­ken. Generell sehen die Befragten den grössten Handlungsbedarf bei sicheren, mehr und durch­gängigen Velowegen. Dieses Bedürfnis steht weit vor Massnahmen zu MIV, Bus oder zur Fuss­gängersituation. Die prioritäre Behandlung von Velomassnahmen wird also gesellschaft­lich ge­stützt.

Ein zentrales Bedürfnis ist auch der Ausbau von Busverbindungen in die weiter entfernten Quar­tiere sowie eine bessere Pünktlichkeit des Busses. Davon würden vor allem Dättwil und Rütihof sowie die Allmend profitieren. In Bezug auf die Parkierung wünschen sich die Einwoh­ner und Einwohnerinnen mehr Kurzzeitparkplätze für Autos sowie mehr Veloparkplätze in der Innen­stadt. Die Zufriedenheit mit den Fussgängerwegen ist hoch, die Situation wird kaum kriti­siert. Lösungsansätze werden auch beim Verkehrsregime gesehen, z. B. mehr Bussen bei Ver­kehrs­übertretungen, längere Ampelphasen bzw. kürzere Ampelwartezeiten.

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