Bädergeschichte

Die Badener Bäder oder: Der Name ist seit über 2000 Jahren Programm

Seit Jahrtausenden entspringen im Badener Limmatknie die mineralreichsten Thermalquellen der Schweiz.

Die erste grosse Thermenanlage erbauten die im nahen Legionslager von Vindonissa stationieren römischen Legionäre und legten im zweiten Jahrzehnt n. Chr. den Grundstein für das Heilbad von Aquae Helveticae. Die Bäder von Aquae waren das bedeutendste römische Heilbad im Gebiet der heutigen Schweiz und dienten nicht nur der medizinischen Versorgung sondern waren auch religiöses Zentrum und bedeutender gesellschaftlicher Treffpunkt. 

Nach dem Ende der römischen Herrschaft um 400 n. Chr. und in der Zeit des Frühmittelalters dürfte weiterhin ein bescheidener Badebetrieb bestanden haben.

Im Hochmittelalter (11. -13. Jh.) wurden Thermalquellen neu gefasst und erste Badehäuser und Unterkünfte entstanden. Unter den Herzögen von Habsburg erfuhren die Bäder ab Mitte des 13. und im 14. Jh. einen bedeutenden Ausbau. Baden war in dieser Zeit der berühmteste Bäderort im deutschsprachigen Europa. In den Gasthöfen und Gasthäusern beiderseits der Limmat trafen sich gekrönte Häupter, Kirchenfürsten und Universalgelehrte aus ganz Europa und besonders auch das städtische Bürgertum aus Zürich zum gemeinsamen Bad. Der Laufkundschaft, dem einfachen Volk, den Armen und Kranken standen das Freibad und das St. Verenabad auf dem Bäderplatz und das Freibad in den Kleinen Bädern in Ennetbaden zur Verfügung. Ab dem 15. Jh. fanden die Gesandten der in Baden stattfindenden Tagsatzung der Eidgenössischen Orte in den Bädern ein angenehmes „Freizeitprogramm“ und einen informellen Begegnungsort.

Das St. Verenabad um 1800 im Badener Bäderquartier

Zur Zeit des Bäder- und Kurbooms des 19. Jh. erlebten die Bäder eine erneute Blüte: neue Thermalquellen wurden gefasst, moderne Hotels erbaut. Die Eröffnung der ersten Eisenbahnlinie der Schweiz von Zürich nach Baden, der Spanischbrödlibahn, brachte den Bädern einem weiteren Aufschwung; mit dem Bau des Kursaal (heute Grand Casino) und des Kurparks erhielt der Kurort eine zeitgemässe Infrastruktur. Um 1880 standen den Kurgästen aus aller Welt nahezu 900 Gästezimmer und über 600 Einzelbäder zur Verfügung. Im Armenbad und den Kurkliniken fanden jetzt auch weniger begüterte Kurgäste medizinische Versorgung.

Der Erste Weltkrieg setzte dem schillernden Kurbetrieb der Belle Epoque ein Ende.

Nach dem Zweiten Weltkrieg richtete sich der Kurort Baden verstärkt auf medizinische Angebote und Rehabilitation aus. Der Schriftsteller Hermann Hesse hat in seiner Novelle „Kurgast“ den Kurbetrieb der Zwischen- und Nachkriegszeit in der Weltliteratur verewigt.

Gegen Ende des 20. Jh. gerieten die Bäder in eine Krise: Die Infrastruktur, namentlich das 1963/64 erbaute Thermalbad entsprachen nicht mehr den Ansprüchen der Kundschaft.

Seit der Jahrtausendwende werden die Bäder langsam wiedererweckt. Die einzigartigen Thermalquellen sollen wieder zu einem Besuchermagneten, einem Begegnungsort und zum Aushängeschild der Stadt Baden werden. Wichtigster Schritt in eine neue Bäderzukunft wird der Bau des Thermalbades von Architekt Mario Botta sein. 2016 soll der Spatenstich erfolgen. Damit der Name wieder Programm wird.

Weitere spannende Details und Wissenswertes erfahren Sie auf einer Stadtührungen durch das Bäderquartier.